Gewerkschaften und Betriebsräte sind natürliche Verbündete. Beide wollen bessere Arbeits- und Einkommensbedingungen, und während Betriebsräten die aktivere Rolle im betrieblichen Geschehen zukommt, agieren Gewerkschaften meist überbetrieblich, meist branchenweit und in Grundsatzfragen sogar branchenübergreifend und engagieren sich sozialpolitisch.
Auch Schnittmengen gibt es viele. Wenn bei Tarifverhandlungen etwa gestreikt werden soll, geht ohne die betrieblichen Multiplikatoren nicht viel. In den Tarifkommissionen sitzen nicht nur hauptamtliche Gewerkschaftsfunktionäre, sondern viele ehrenamtliche Kolleginnen und Kollegen, die in den Betrieben und sehr oft auch in den Betriebsräten verwurzelt sind. Andersherum kommen die Gewerkschaften oft als nötige Kavallerie, wenn bei Verhandlungen etwa über Arbeitsplatzabbau die Betriebsräte dankbar dafür sind, wenn von außen zusätzlicher Druck auf die Geschäftsleitung ausgeübt wird.
Dennoch ist das mit den Gewerkschaften und den Betriebsräten keine uneingeschränkte Liebesbeziehung, und gerade bei Wahlen kommt das zum Ausdruck. Warum das so ist, darum soll es jetzt gehen.
Gewerkschaftsfreiheit - 360 Grad BR Interview mit Dr. Rolf Geffken
Marco Nörenberg:
Hallo liebe Kolleginnen und Kollegen, heute bin ich nach Hamburg-Harburg gefahren, um mich mit dem renommierten Rechtsanwalt, Autor sowie Arbeits- und Verfassungsrechter Dr. Rolf Geffken zu treffen. Wir wollen uns in diesem Podcast-Interview um das Arbeits- und Verfassungsrecht in einer sehr besonderen Frage unterhalten. Die Frage nämlich, wie es sich um die Gewerkschaftsfreiheit in Deutschland verhält. Ich bin mir sicher, dass nicht jede und nicht jeder von euch den Gesprächsverlauf erwartet, mit dem ich fest rechne.
Und damit ein herzliches Hallo, lieber Herr Dr. Geffken, oder wie wir Neudeutschen sagen, Moin. Vielen Dank, dass Sie mich hier in Ihrer Kanzlei für dieses Interview empfangen. Sie haben im vergangenen Jahr ein besonders interessantes Buch herausgebracht. Es heißt, Einspruch im Sinne der Arbeit und kein geringerer als Dr. Gregor Gysi hat das Vorwort geschrieben. Das Buch ist ein Streifzug durch 50 Jahre Anwaltsleben hierzulande und hält kurzweilige 30 Geschichten bereit,
mit denen am Arbeitsrecht Interessierten einige Einblicke über die Entwicklung des Arbeitsrechts hierzulande ergeben. Ich habe zwei Lieblingskapitel in diesem Buch. Das eine heißt Mord an Bord und dreht sich um Gewaltandrohungen auf einem Schiff mit der Folge einer versuchten Kündigung. Das andere Lieblingskapitel ist das mit unserem heutigen Hauptthema. Aber vielleicht mögen Sie einfach mal zum Einstieg Ihr Buch und die zugrundeliegenden Erfahrungen Gedanken vorstellen.
Als Betriebsrat im Jahr 2023 besser werden! „Gute Vorsätze“ fürs neue Jahr.
Als ich vor dem Weihnachtsfest einmal in LinkedIn die Frage gepostet habe, welche „guten Vorsätze“ Ihr Euch für die Arbeit im Betriebsrat vornehmen wollt, war ich doch überrascht von der Resonanz: Die ersten Reaktionen, auch direkt im Beitrag, gingen in die Richtung, gute Vorsätze brauche man nicht oder auch, man wolle weiterhin sein Bestes geben.
Erst so nach und nach kamen dann wirkliche echte Punkte auf, was man sich für 2023 als Betriebsrat, JAV oder SBV vornehmen könnte oder auch möchte. Da war eine Menge Interessantes bei, das mir schon wieder Futter für viele Folgen gibt, vielen Dank also an Euch für die Beteiligung an dieser Diskussion!
Inflation jetzt als Betriebsrat thematisieren
Ich bin in den letzten Tagen und Wochen eine Menge unterwegs und im Kontakt mit Betriebsräten und Beschäftigten. Dabei stelle ich immer wieder fest, dass es zwei Themen gibt, die momentan ausgesprochen dominant sind: Das ist zum einen das Thema Wertschätzung im Sinne attraktiver Arbeits- und Einkommensbedingungen und zum anderen die großen Unsicherheiten nahezu Aller wegen dem, was außerhalb der Betriebe gerade in unserer Welt passiert.
Zur Klimakrise ließe sich hier separat etwas sagen, und tatsächlich denke ich auch in der Betriebsratsberatung auf dem Thema rum. Zur Ukraine-Krise sagt gefühlt nahezu jeden Tag jeder etwas, und ich werde nicht müde, die besondere Rolle von Betriebsräten für den sozialen Frieden hierzulande zu betonen und einen beschäftigtenorientierten und partnerschaftlichen Umgang von Arbeitgebern mit ihren Betriebsräten einzufordern.

360 Grad
Betriebsrat Consulting GmbH

