Marco Nörenberg:
Hallo liebe Betriebsräte zu einer neuen Folge des Podcasts 360 Grad Betriebsrat. In vielen Betrieben und Unternehmen laufen Betriebsrat und SBV so nebeneinander her. Teilweise ist aber auch die Zusammenarbeit ausgesprochen eng und vertrauensvoll. Ich habe im Laufe vieler Jahre als Betriebsrat und ehrenamtlicher Gewerkschaftsfunktionär dabei viele engagierte und kompetente SBVler kennengelernt. Aber nicht selten führten sie in ihren Häusern abseits des Betriebsrats ein Nischendasein und mussten um die Beachtung ihrer Klientel, aber auch von ihnen als SBV selbst, permanent ringen. Jetzt, vor Wahlen, sind die Schwerbehindertenvertreter naturgemäß besonders gefragt, denn sie erreichen die schwerbehinderten Kolleginnen und Kollegen meist in besonderer Weise und können somit auch bei Betriebsratswahlen ein entscheidender Faktor sein. Über die besondere Rolle der Schwerbehindertenvertretung bei der Betriebsratswahl und vor allem darüber hinaus unterhalte ich mich heute mit einem besonderen Kollegen, den ich seit vielen, vielen Jahren kenne, Axel Schmidt. Er ist Vorsitzender der Konzernschwerbehindertenvertretung des DAX- Konzerns Munich Re. In meiner Eigenschaft als Gewerkschaftsvertreter in der Branche nehme ich regelmäßig an Workshops der Konzern SBV mit rund 50 Kolleginnen und Kollegen referierend und diskutierend teil. Das sind spannende Leute und das sind tolle Veranstaltungen. Wie man sich als schwerbehinderter Arbeitnehmer, als Vertrauensperson der Schwerbehinderten und in der Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat fühlt, darüber sprechen wir jetzt.
Damit herzlich willkommen, lieber Axel und liebe Kolleginnen und Kollegen hier bei einer neuen Folge des Podcast 360° BR. Lieber Axel, ganz ehrlich, auf diese Folge freue ich mich schon seit einiger Zeit. Nicht nur, weil wir uns lange kennen und gut verstehen, sondern weil unser heutiges Thema auch ein sehr besonderes ist. Vielleicht magst du unseren Zuhörern erst einmal etwas mehr über dich erzählen. Wie sind deine ersten Erfahrungen mit den Betriebsraten bzw. der SBV gewesen und was hat dich dazu gebracht, zum ersten Mal für die SBV zu kandidieren?
Axel Schmidt:
Ja, erstmal vielen Dank, Marco, für die Einladung. Finde ich auch mal toll, hier mit dir in diesem Format zu sprechen. Ja, und in der Tat, du hast recht, wir kennen uns jetzt schon über drei Jahrzehnte und haben viel zusammen gearbeitet. Aber, und das will ich echt mal hier auch an dieser Stelle hier besonders hervorheben, du hast ja auch mich in alter Zeit als Betriebsratsvorsitzender, als Gesamt- oder auch im Konzernbetriebsrat unterstützt und hast uns auch Gehör geschaffen in den Gremien, so dass, sagen wir mal, wir unsere Arbeit auch in den letzten Jahren immer deutlich verbessern konnten. Ja, finde ich einfach nur mal so ganz wichtig dabei. Zu meiner Person, ja, ich bin Ende der 80er, 1989, als erster damals schwerbehinderter Azubi, bei der damals Hamburg Mannheimer gestartet. Ich selber habe, für die Zuhörer, die können es ja nicht sehen, nein, ich selber bin hochgradig sehbehindert, man nennt das gesetzlich blind, und war dann der erste Azubi mit solch einem Handicap, der damals bei der Gesellschaft gestartet ist. Meine ersten Erfahrungen, die ich in diesem Zusammenhang im Bewerberverfahren, dann auch im Einstellungstest und sowas gemacht habe, mit der Schwerbehindertenvertretung, die waren, auch mit dem Betriebsrat, die waren sehr gut, weil da war noch nichts geregelt, was heutzutage ist. Es musste alles von vornherein festgelegt werden mit irgendwelchen Zeitzugaben bei Tests und so weiter. Wenn ich nicht da die Unterstützung der damaligen Schwerbehindertenvertretung und schon die Ebnung der Wege gehabt hätte, die davor notwendig waren, wäre ich wahrscheinlich klanglos gescheitert. Ja, und
letztendlich auch nachher bei der Übernahme, nach der erfolgreichen Ausbildungszeit, wenn ich nicht dann die SBV oder auch den Betriebsrat, der auch damals sehr wichtig war, den Betriebsratsvorsitzenden, die sich sehr für mich eingesetzt haben, dann wäre das echt nicht gut gelaufen. Daher muss ich sagen, das war schon sehr klasse.
Zur Kandidatur, wie bin ich dazu gekommen? Ganz klar, die Arbeit, die die Kollegen da gemacht haben während meiner Ausbildungszeit, die waren einfach, das war klasse. Ich habe mich jederzeit unterstützt gefühlt. Ich wollte einfach auch da dann ein Stück wieder zurückgeben. Zum anderen habe ich aber auch gemerkt, dass da so viel noch zu tun war zur damaligen Zeit. Man muss daran denken, es war vor 30 Jahren. Da war es auf der Hand liegend, dass ich da was, sagen wir mal, auch meinen Teil dazu beitrage und das dann mache. Um auch letztendlich, was ja nicht ganz unwichtig ist, auch die eigene Situation, ich war ja noch ein junger Kerl und wusste, ich bleibe ja noch einige Jahre in dem Unternehmen beschäftigt, dass ich dann natürlich auch meine eigene Person und meine Situation mit noch deutlich verbessern möge.
Marco Nörenberg:
Anders als der Betriebsrat, Axel, ist ja die Schwerbehindertenvertretung im Betrieb kein Gremium von mehreren oder gar von vielen, sondern das gesetzliche Konstrukt ist ja das eines Einzelkämpfers mit hoffentlich mehreren Ersatzleuten. Außerdem liegt die Sache mit der Mitbestimmung und dem Zusammenwirken mit dem Arbeitgebers anders als beim Betriebsrat. Beschreib uns doch bitte einmal, wie das alles so läuft mit der SBV. Angefangen vielleicht von der Wahl über die Tätigkeit bis hin zur Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber, dem Betriebsrat oder auch externen Stellen wie dem Integrationsamt.
Axel Schmidt:
Fangen wir mal damit an, Marco, mit der Art der Wahl, wie wir jetzt überhaupt wählen. Bei uns ist das immer eine Persönlichkeitswahl und keine Listenwahl wie oft beim Betriebsrat. Das heißt, ich kann auch nicht meine Stellvertreter nach Eignung oder auch nach Willen derer in eine Reihe setzen, sondern da geht es einfach darum, wer die höchste Stimmzahl hat, der wird dann der erste, zweite, dritte Stellvertreter. Da müssen wir dann halt auch immer gucken, wie kriegen wir das dann zusammen hin. Ich kann halt nicht ganz so aussuchen. Grundsätzlich aber, und das ist ein ganz großer Unterschied zum Gremium des Betriebsrates, ist es einfach so, ich bin die Vertrauensperson und daher auch bin ich schlussendlich erstmal der Einzelkämpfer, der unterwegs ist und die Geschicke und auch die Entscheidungen alleine treffen muss. Das ist, ein doch recht gravierender Unterschied, weil schlussendlich ich auch die Verantwortung aufgrund meiner getroffenen Entscheidung auch dann selber zu tragen habe. Häufig ist es nämlich so, dass die Kollegen, weil sie einfach so schwer erkrankt sind, oft ihr Schicksal in unsere Hände legen. Da könnte der eine oder andere jetzt sagen, ja, warum machst du das, sei vorsichtig. Aber in dem Augenblick muss man einfach gucken, wie kann ich da der Person helfen. Ich finde, das ist eine ganze Menge Verantwortung, wo man auch, sagen wir mal, mit vollem ganzen Herzen und Engagement dabei sein muss.
Ja, und wenn man mal so ein bisschen zurück guckt, ist es auch das, vor 30 Jahren, als ich gestartet bin mit der Arbeit der Schwerbehindertenvertretung, da war schon Schulung von Unterstützung auch behördlicherseits von Unternehmen, die es heute gibt, die für Rehabilitation und Integration zuständig sind, das gab es alles gar nicht. Da hat sich das besonders in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich verbessert. Überhaupt, unser Job lebt davon aus Erfahrung, aus selbstgemachten Erfahrungen. Daher trifft es da, wenn man ein alter Kerl ist, dazu zähle ich mich jetzt einfach mal,
dass man eigentlich nur dann eine gute SBV ist, wenn man auch eine Menge Erfahrung sammeln konnte dabei. Ja, und was auch die Qualifikation beziehungsweise die Unterstützung ganz groß war, muss ich sagen, Marco, das war im Jahr 2000. Das hast du ja auch damals mitgekriegt mit der Novellierung. Da hat man gedacht, oh Mensch, was passiert da alles, hat uns aber doch eine ganze Menge eigentlich an Unterstützung gegeben. Schlussendlich auch dann die rechtliche Etablierung der Integrationsvereinbarung, die wir ja auch dann abgeschlossen haben, wo du mich da ja auch ganz gut unterstützt hast als damals noch Betriebsratsmitglied. So gesagt, den Vorsitz hast du dann ja erst später, aber sagen wir mal, wo wir da schon alle zusammen gekämpft haben, weil das war echt Pionierarbeit gewesen.
Und dann so als nächstes so die Anerkennung durch den Arbeitgeber, das war ein harter Kampf. Bis heute letztendlich, man muss sich immer wieder neu behaupten, weil auch die Akteure wechseln, aber ich denke mal, heute haben wir einen schon ganz anderen Level erreicht. Es ist leichter, sich durchzusetzen als früher, aber in den 90er Jahren, das war kein einfaches Feld dabei gewesen, muss ich ganz ehrlich dazu sagen. Wenn man sich das mal anguckt, auch bei den Betriebsräten, war das auch nicht von vornherein so gegeben. Man hatte auch das Gefühl gehabt, oft auch als Konkurrenz wahrgenommen zu werden, was auch teilweise sogar heute noch ist. Aber durch permanentes Aufklären, miteinander sprechen, kann man da nur die Hürden abbauen. Letztendlich auch ein Betriebsratsmitglied ist ja auch, sagen wir mal, aufgrund der gesetzlichen Regelung ja auch so gesagt verpflichtet, mit uns zusammenzuarbeiten. Das hat der Gesetzgeber auch nochmal festgehalten. Aber vielmehr ist eigentlich diese Überzeugung, weil wenn ich aus Überzeugung was mache, dann mache ich es mit voller Kraft und mit vollem Herzen.
Das ist eigentlich, sagen wir mal, so das A und O, was immer wir dabei sehr wichtig finden.
Probleme, muss ich sagen, haben wir manchmal auch. Das ist, weil wir haben ja das ganze Bundesgebiet, wie du ja weißt. Ich habe ja einmal den Vertrieb, aber auch durch mein Amt, der KSBV, den süddeutschen Bereich. Die Behörden, die Ämter, die Institutionen sind ganz schön unterschiedlich aufgestellt, gehen auch ganz unterschiedlich mit der Klientel um. Manchmal hat man das Gefühl sogar, dass Teile der Behörden eher schon fast gegen ihr Klientel arbeiten. Ja gut, das ist keine ganz einfache Sache. Aber heutzutage nehmen wir schon wahr, durch dieses auch gesellschaftliche Anerkenntnis des Themas Schwerbehinderung, durch viele Rehabilitationsträger, die wir haben, ist das schon deutlich besser als, wie gesagt, noch vor 20, 30 Jahren.
Marco Nörenberg:
Es ist unglaublich vielseitig, da muss man ja auch sehr professionell für agieren. Also Hut ab, muss ich sagen. Ich habe es ja auch teilweise über die Jahre immer wieder selbst erlebt, in ganz Deutschland, und das mit diesen spärlichen Mitteln, also praktisch ja auch gelegentlich als Einzelkämpfer, das ist schon was. Axel, viele Schwerbehindertenvertreter sind ja gleichzeitig auch Betriebsräte. Aber oft ist man als SBV auch für sich. Ich kenne da alle Modelle, von bis, von dem Schwerbindernvertreter, der gleichzeitig im Betriebsrat eine führende Rolle spielt, bis hin zu denen, der als SBV für sich alleine kämpft und immer auch um Beachtung kämpfen muss. Meistens auch nicht nur beim Arbeitgeber, sondern auch gelegentlich sogar beim Betriebsrat. Zu den Aufgaben des Betriebsrats gehört ja aber eigentlich auch die Integration Schwerbinder der Kolleginnen und Kollegen, dass die unterstützt werden soll. Im Betriebsverfassungsgesetz gibt es da eine ganze Reihe von Bezugnahmen zu. Zudem hat der Betriebsrat auch knackharte Mitbestimmungsrechte, wenn es um die Belange der von euch vertretenen Menschen geht. Beschreib doch vielleicht einmal aus deiner Sicht auf das Thema, wie eng ist der Draht zwischen SBV und Betriebsrat? Also gar
nicht nur generell hier, sondern wie eng sollte er eigentlich sein? Wie ist da die optimale Zusammenarbeit aus deiner Sicht?
Axel Schmidt:
Das kann man ganz konkret und einfach beantworten. Die SBV, also wir, sind auf die Unterstützung des Betriebsrats einfach schlussendlich angewiesen. Muss man mal ganz klar so sagen. Das liegt daran, weil die Sanktionsrechte, Marco, wie du ja weißt, aus dem SGB IX nur sehr mager sind.
Da ist es dann, sagen wir mal so, als klassisches Beispiel, was ich da ja immer ganz gerne nehme und wo auch ihr ja uns immer wieder unterstützt habt. Zum Beispiel im § 99 Betriebsverfassungsgesetz. Da kann einfach, so gesagt, der Betriebsrat uns insofern dann unterstützen und auch sehr, sehr wirkungsvoll, wenn er zum Beispiel einer Umsetzung nicht zustimmt, solange jetzt unsere Belange oder unsere Forderungen, die da einfach sein müssen, ob das zu einer Einzelperson ist oder zu mehreren, die dann einfach in dem Augenblick untersagen. Und halt gucken, dass wir auf ein vernünftiges Ergebnis gekommen sind, um dann die Zustimmung zu geben. Das erlebe ich, kann ich dir sagen, eigentlich auch heute immer fast bei jeder Geschichte, wo irgendwas personalmäßiges ist.
Dann haben wir ja auch, was ich immer sehr wichtig finde, dass auch die Betriebsräte in Verhandlungen mit dem Arbeitgeber, wenn wir Betriebsvereinbarungen haben, die Verhandlungen auch dann mal stoppen können. Solange bis wir unsere Sachen mit geregelt haben, es mit in ein, unsere Themen mit in den großen Topf der Themen schmeißen, um dann zu sagen, wenn wir das Paket insgesamt hier durchkriegen, lieber Arbeitgeber, dann ist das eine runde Sache. Somit ist dann auch unser SBV-Thema gleich dann mit abgehandelt. Finde ich da eine ganz wichtige Geschichte dabei. Umgekehrt ist es genauso ja auch, dass wir, und da finde ich immer das Beispiel, ich habe es gerade letztens wieder gehabt in Personalvorgängen. Wenn es da um Abmahnungen geht oder auch um Kündigungen, das hat sich ja auch nochmal gestärkt im SGB IX vor drei Jahren, im Kündigungsverfahren eine Kündigung auch abschmettern können, wenn wir nicht vorher einbezogen sind. Wir können dann helfen, die Kollegen, aber auch vielleicht, wenn es eine ganze Reihe ist, wir hatten da mal eine Kündigung auch von einer ganzen Reihe von Führungskräften gehabt, da haben wir auch für die nicht schwärmengelernten Kollegen auch sehr viel gemeinsam rausholen können, weil der Arbeitgeber musste uns gegenüber ganz anders nachher erklären, als das beim Betriebsrat müsste, warum er diese Kündigung ausgesprochen hat. Dann sind alle Verfahren gegen den Baum gelaufen, das sind dann so Hilfen, wo wir auch als Schwerbehindertenvertretung groß, sagen wir mal, unterstützen, eingreifen können.
Marco Nörenberg:
Ja, ich kann mich auch an viele Verhandlungen erinnern, wo wir das gleich von vornherein so gemacht haben, Axel, dass du einfach auch dabei gewesen bist, praktisch als Schwerbehindertenvertretung direkt in diesen Verhandlungen dann dabei, aber selbst wenn das nicht der Fall war, haben wir dann eigentlich immer am Schluss gesagt, also pass mal auf, hier gibt es jetzt zwar einen Betriebsvereinbarungsentwurf oder einen Interessenausgleichsentwurf oder einen Sozialplanentwurf, aber der wird jetzt noch nicht zur Abstimmung gestellt im Konzernbetriebsrat oder Gesamtbetriebsrat, jedenfalls so lange nicht, bis nicht auch die SBV grünes Licht gibt. Oftmals hatte der Arbeitgeber es besonders eilig und dann war natürlich das auch vielleicht noch sogar eine ganz komfortable Situation, dass man als SBV noch das eine oder andere Zugeständnis einsammeln konnte. Also ganz generelle Empfehlung an alle Kollegen hier in der Leitung, vergesst mir die SBV nicht, die haben manchmal noch ganz besondere Anliegen. Und zwar ist es ja auch so, Axel, dass in besonderen Situationen, meinetwegen
bei der Sozialauswahl, wenn es um Personalabbau geht, aber auch von mir aus beim Übergang von schwer erkrankten Kolleginnen und Kollegen in die Schwerbehinderung, also das heißt zur Schwelle, dann kommt der SBV ja mit ihren speziellen Kenntnissen und Kontakten an eine besondere Rolle und Kompetenz zu. Also ich weiß auch, dass wir die Kollegen dann immer auch, zwar erstberaten haben, aber nicht selten auch zu euch geschickt, weil das dann auch teilweise wirkliche Spezialsachen sind. Beschreib du doch mal bitte aus deiner Sicht, wo SBV einen besonderen Mehrwert nicht nur für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen, sondern vielleicht auch für die Arbeit des Betriebsrats liefern können und wie das in der Praxis aussieht.
Axel Schmidt:
Ja, fangen wir erst mal bei der Zusammenarbeit oder jetzt auch bei der Behandlung von Themen an, dass ja überhaupt, wenn man Verhandlungen hat, ist es ja wichtig, ganz viele Argumente und Informationslagen zusammenzubringen. Dann hat sich das jetzt gezeigt und in der Fülle auch der Strategie-Themen, die man immer mal mit dem Vorständen hat, da sagen wir mal so viel wie möglich Know-how reinzubringen, ist das einfach hat sich das ja auch bei uns gezeigt, dass wir dann nochmal aus unserer Sicht, wir gucken ja auch entweder zum Beispiel, wenn wir was mit Umbauten haben, dass wir auch natürlich die Barriere-Themen mehr noch im Blick haben, weil wir es ja auch müssen, wir müssen auch den Arbeitgeber da ja beraten, dass wir da mit gucken. Aber auch bei personellen Themen, dass wir als Schwerbehindertenvertretung ja andere Informationen bekommen, wie du ja weißt, als zum Beispiel jetzt ihr als Betriebsräte. Denn der Arbeitgeber, wenn er es dann ja auch tut, sagen wir mal, uns im Vorfeld ja schon informieren muss, wo liegt der Hase im Pfeffer, gerade jetzt auch bei einer Abmahnung. Das kann der Betriebsrat noch gar nicht wissen, da kriegt er überhaupt keine Mitteilungsauskunft darüber. Da können wir dann gut reingrätschen und können dann auch die Betriebsratskollegen dann informieren beziehungsweise sie dann mit ins Boot holen zu der einzelnen Thematik. Das hilft uns dann allen, würde ich sagen, sehr viel.
Das Andere ist ja auch, dass wir aufgrund unserer Themen, die wir haben, ja ein ganz anderes fachliches Wissen haben. Ich nenne das mal so als Beispiel jetzt EM-Rente, worauf du ja auch eben anspieltest. EM-Rente, also Erwerbsmindestrente für diejenigen, die damit nicht täglich zu tun haben, ist ja ein ganz schön breites Feld. Man muss auf sehr viele Dinge dabei achten, auch wenn ich noch eine Teilrente habe und ich will hinzuverdienen. Durch meine Arbeit darf ich gewisse Grenzen nicht überschreiten, sonst kann das richtig böse finanziell für die betroffene Person enden. Das sind dann so Sachen, wo wir natürlich da unseren Input reingeben. Heutzutage, wo wir auch um Altersregelungen für Kollegen, Betroffene kämpfen, für alle, hilft uns das sehr, weil das Rentenrecht ist echt kein einfaches Gebiet. Ich gucke auch immer wieder, sagen wir mal, noch mal drauf, dass man da auch nicht irgendwie dann auf einmal falsche Informationen oder zu veraltete bringt. Aber da ergänzen wir uns prächtig und wir haben es halt auch oft, dass auch die Kollegen aus dem Betriebsrat ankommen, auch mich dann da hinzuziehen oder meine Kollegen. Ich glaube, da können wir auch eine wertvolle Unterstützung geben und tun das auch gerne.
Marco Nörenberg:
Klasse, Axel. Vielleicht abschließend noch eine Frage. Ich würde dir gerne ganz am Schluss vielleicht auch die Gelegenheit geben für ein Statement nach ganz eigener Wahl. Gibt es etwas, was du vielleicht den Betriebsräten, den Kolleginnen und Kollegen im Land oder auch deinen SBV- Kolleginnen und Kollegen, die das hier hören, in- und außerhalb der Versicherungsbranche gerne mal mit auf den Weg geben möchtest?
Axel Schmidt:
Ja, gerne. Es ist einfach so, das muss jedem irgendwo bewusst sein, dass unsere Gesundheit kein Privileg ist, was man sich irgendwo mal erarbeitet hat, sondern das ist ein Geschenk. Das hat ja auch mal in einer ähnlichen Formulierung unser ehemaliger Bundespräsident Richard von Weizsäcker gesagt. Finde ich immer ganz klasse, dass einem das mal so da bewusst ist. Wir einfach gemeinsam, Betriebsrat und Schwerbehindertenvertretung, kämpfen sollten, uns einsetzen sollten für die Kollegen, deren einfach dieses Geschenk der Gesundheit genommen wird. Wir merken das auch besonders aufgrund der Zunahme der Verdichtung der Arbeit, auch psychisch jetzt Erkrankungen, die da immer mehr kommen, dass wir da, sagen wir mal, Hand in Hand für die Kollegen uns einsetzen. Und dass sie entweder an ihren Arbeitsplatz wieder zurückkommen, dass also die Integration, oder wir reden ja auch heute von der Inklusion, genau das, ist und umgesetzt werden kann. Aber auch, dass wir einfach, gucken, dass diese Kollegen nicht irgendwo hinten runterfallen. Sie sind einfach ein Teil der Gesellschaft, gehören dazu und es ist die Pflicht von uns allen, das Beste für alle von den Kollegen, die uns alle hier wählen, auch rauszuholen.
Marco Nörenberg:
Das finde ich klasse, Axel. Ich finde auch das Bild ganz toll, was du eben sagtest, so dieses Hand in Hand, dass man eben auch als Betriebsrat in der SBV, das ist ja auch der Titel von diesem Podcast, ist ja die SBV nicht das fünfte Rad am Wagen des Betriebsrats. Ich glaube, das war lange Jahre so, ganz früher, und das ist vielleicht in dem einen oder anderen Betrieb auch heute noch so. Ich glaube, wenn man wirklich was erreichen möchte, auch für die benachteiligten Kolleginnen und Kollegen, dann ist das wirklich gut, wenn SBV und Betriebsrat Hand in Hand die Dinge machen und vorantreiben. Damit, liebe Axel, vielen, vielen Dank. Hat Spaß gemacht, mit dir zu sprechen. Also Dankeschön, dass du dir die Zeit genommen hast. Ja, und wir sind damit, liebe Kolleginnen und Kollegen, auch am Ende für heute dieser Podcast-Folge angekommen.
Ich bedanke mich bei dir, Axel, für das interessante Gespräch und bei euch allen da draußen einmal mehr fürs Zuhören. Bis zum nächsten Mal. Tschüss aus Hamburg.
#SBV #360GradBR #Inklusion #Integration



Nutzungsbedingungen
Abonnieren
Report absenden
My comments